Jedes Jahr anders: Münchens farbenfrohe Plätze
Wie läuft nun die Planung der Bepflanzung? „Man muß sich immer überlegen, wie der Platz angeordnet ist. Der Karolinenplatz zum Beispiel ist kein Platz, über den man zu Fuß schlendert; der wird eher vom Auto aus betrachtet, wenn man außen herum fährt im Kreisverkehr. Das heißt, das muß ein plakativer Platz sein, es müssen kräftige Farben verwendet werden. Das Detail ist hier nicht so wichtig, weil die überwiegende Mehrheit der Menschen nicht so nah an ihn herankommt.“ Also kräftige Farben, plakativer Platz.
Dort versucht man großflächig zu bepflanzen und von der Anordnung her wie eine Pyramide: In der Mitte hohe Pflanzen, dann nach außen hin immer niedriger werdend. Dadurch vergrößert sich die Fläche und sie wirkt besser, wenn man mit dem Auto vorbeifährt. Als Nächstes überlegt sich Thomas Seltmann ein Farbkonzept. Der Karolinenplatz wird nächstes Jahr in knalligen Rottönen und lachsfarben leuchten. Mit Hilfe von Pflanzenkatalogen und Farbfächer werden die Pflanzen ausgewählt. Sie müssen farblich zum Konzept passen, dürfen sich aber auch nicht gegenseitig überwachsen.


Und wie lange werkeln wie viele Gärtner pro Platz? Das kommt darauf an, wie aufwendig jeder Platz ist. Im Schnitt sind pro Platz fünf, sechs Gärtner ein bis drei Tage beschäftigt. Und für jeden Platz ist immer dasselbe Team zuständig, das sich bei großen Plätzen auch um die Bewässerung kümmert. Unkrautgänge dagegen werden meistens ausgeschrieben und von externen Unternehmen erledigt.

Rationale Kosten-Nutzen-Rechner werden fragen: Wie refinanziert sich das? Aber Gewinn bemißt sich nicht nur in Euros, sondern in der Freude über schönen Hotspots in der Stadt und „Ich denke halt, daß auch diese Schmuckplätze schon zum Wohlbefinden von den Bürgern beitragen. Daß Leute gerne die Stadt besuchen und sich dort gerne aufhalten, sich wohl fühlen und dadurch wiederkommen“, stellt Thomas Seltmann fest. Und einen monetären Gewinn für Einzelne gibt es unter Umständen trotzdem: Der Pariser Platz wurde dieses Jahr erstmalig umgestaltet und laut einem SZ-Interview mit einem Eisdielenbesitzer ist dessen Umsatz seitdem um ca. 10 bis 15 % gewachsen.
Das Schlußwort gebührt dem Meister aller Plätze: „München ist eine der am dichtesten besiedelten Städte. Aber ich denke, wir geben uns alle Mühe, um sie schön zu machen.“
Wie wahr! Ach ja: Der Gärtnerplatz wird nächstes Jahr in Rot, Weiß, Blau gestaltet werden.
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Konzept Gärtnerplatz Sommer 2018
Gärtnerplatz im Sommer 2018
(Fotos und Grafiken: Thomas Seltmann; Porträtfoto: Karin Zick)