Hund und Katze im Alter

Ich habe deshalb in meiner Praxis ein Poster, auf dem das Hunde- bzw. Katzenalter in Menschenjahre umgerechnet ist. Das löst bei Besuchern immer wieder großes Erstaunen aus („Was, Minka ist schon achtzig Jahre alt?!”), ermöglicht mir aber, bei den Besitzern Verständnis, wichtiger noch: Toleranz für die Alterserscheinungen ihrer Schützlinge zu wecken. Alterserscheinungen werden häufig von den Besitzern als Fehlverhalten interpretiert und sie versuchen, dem mit „Erziehungsmaßnahmen” beizukommen. Das kann nicht gelingen; angezeigt ist ein unterstützender Umgang mit dem alt gewordenen Tier. Oft werden auf der anderen Seite echte Erkrankungen als angebliche Alterserscheinungen nicht ernst genommen, obwohl sie dringend behandlungsbedürftig sein können.

Natürlich läßt sich sagen, daß alle, Tiere wie Menschen, ab dem Tag ihrer Geburt altern, doch ab wann sind Haustiere wirklich „alt”? Es gibt keine starren Grenzen, aber als Faustregel gilt: Bei Katzen und kleinen Hunden ist ab 10 Jahren mit Alterserscheinungen zu rechnen, bei sehr großen Hunden (35 kg und mehr) schon etwa ab dem 6. Lebensjahr.



Wie sehen nun Altersbeschwerden aus?

Grundsätzlich nehmen die Körperfunktionen in ihrer Leistungsfähigkeit ab, was alle Lebewesen anfälliger für Erkrankungen macht und die Rekonvaleszenz verlängert. Die Tiere haben ausgedehntere Schlafphasen, in denen sie kaum von ihrem Lieblingsplatz auf dem Sofa zu locken sind, und sie sind nicht mehr so flexibel bei Veränderungen ihrer Lebensbedingungen, so daß etwa ein Umzug eine große Herausforderung werden kann.

Die Sinneswahrnehmungen lassen nach, z. B. die Sehfähigkeit, der Geruchssinn und das Gehör. Manche Besitzer sind deutlich verunsichert, wenn sie vom eigenen Hund plötzlich angeknurrt werden, was als ungewohnt aggressiv wahrgenommen wird; dabei hat er Sie nur nicht gleich erkannt. Oder der Hund läuft bellend zur Tür, wenn das Telefon klingelt, weil er die beiden Geräusche nicht mehr unterscheiden kann. Gerade dann ist geistige Anregung wichtig, überfordern sie Ihren Hund nicht, aber fordern Sie ihn z. B. mit Suchspielen.

Magen und Darm arbeiten langsamer, die Aufnahme und Verdauung von Futter wird schwieriger. Die beiden wichtigsten Grundregeln sind, häufiger zu füttern (möglichst dreimal täglich) und auf hochwertiges und leicht verdauliches Futter zu achten. Spezielles Futter für Senioren ist auf diese Bedürfnisse abgestimmt. Unabhängig davon sollte Ihre Tierärztin/ Ihr Tierarzt prüfen, ob bei Ihrem Tier eine Zahnbehandlung angezeigt ist.

Die Beweglichkeit und Fitness läßt nach. Deshalb sehen Sie es Ihrer Katze nach, wenn sie im Alter versehentlich über den Rand der Katzentoilette pinkelt. Es könnte sein, daß sie sich einfach nicht mehr tief genug bücken kann, oder sie geht gleich gar nicht mehr hinein, weil das Springen über den hohen Rand schmerzhaft ist. Besorgen Sie sich eine Katzentoilette, die auf einer Seite einen niederen Rand für den Einstieg „älterer Herrschaften″ hat. Hilft das nicht, sollte Ihre Tierärztin/ Ihr Tierarzt vorsorglich eine mögliche Harnwegserkrankung der Katze ausschließen.

Die Muskeln werden schwächer. Katzen haben Ihre Lieblingsplätze häufig weit oben, z. B. auf dem Schrank oder dem Bücherregal. Erleichtern Sie ihr den im Alter oft beschwerlichen Auf- und Abstieg durch einen gut platzierten Stuhl oder Ähnliches.

Die wichtigsten Erkrankungen im Alter

Nicht alle Symptome sind, wie gesagt, reine Alterserscheinungen. Es kann durchaus sein, daß hinter ihnen eine therapiebedürftige Erkrankung steckt. Ein herabgesetzter Spieltrieb und verlängerte Schlafphasen müssen nicht mit dem Alter zusammenhängen, sondern können z. B. auch Anzeichen von Gelenkerkrankungen sein, die, mit Medikamenten behandelt, dem Tier nicht nur zu mehr Beweglichkeit und Lebensqualität verhelfen, sondern im Frühstadium auch schneller und erfolgreicher therapiert werden können.

Es ist daher zu empfehlen, ab einem Alter von neun bis zehn Jahren (bei sehr großen Hunden ab dem sechsten Lebensjahr, mittelgroße ab etwa dem achten) mindestens einmal jährlich zur Routineuntersuchung und gegebenenfalls Blutentnahme bei Ihrer Tierärztin/ Ihrem Tierarzt vorbeizukommen.

Die Niereninsuffizienz ist mit die häufigste Erkrankung der Katze im Alter. Leider zeigen sich Symptome erst, wenn etwa 2/3 der Nierenfunktion – das Herausfiltern von schädlichen Stoffwechselprodukten aus dem Blut – verloren gegangen sind. Zu bemerken ist in der Regel, daß die Katze zunehmend mehr trinkt – was oft fälschlich als positive Veränderung gesehen wird. Gewißheit bringt eine Blutuntersuchung. Eine Wiederherstellung der vollen Funktion ist – wie auch beim Menschen – leider nicht möglich, doch können die Beschwerden gelindert, das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt und die Lebensqualität der Katze gesteigert werden.

Seit zehn bis fünfzehn Jahren tritt bei älteren Katzen auffällig häufig eine Schilddrüsenüberfunktion auf, wobei die Ursache noch nicht geklärt ist. Anzeichen sind vermehrte Nahrungsaufnahme bei gleichzeitigem Gewichtsverlust, in fortgeschrittenem Stadium unruhiges Verhalten und Erbrechen. Die meisten Fälle lassen sich mit Medikamenten behandeln, will man sich nicht für eine operative Entfernung der Schilddrüse entscheiden.

Die Herzinsuffizienz ist mit die häufigste Erkrankung des Hundes im Alter. Sie zeigt sich in einer allmählich zunehmenden Leistungsschwäche, die oft als „normale”, unvermeidliche Altersschwäche interpretiert wird. Sie geht im weiteren Verlauf mit Husten einher, vor allem nachts, bei Aufregung und auch bei Freude. Den durch die Herzschwäche bedingten Symptomen und Nebenerscheinungen kann heute durch hochwirksame Medikamente zuverlässig begegnet werden, was die Lebensqualität des Hundes enorm steigert.

Ein Dauerthema, das einige Hunderassen von Jugend an, aber fast alle im Alter betrifft, sind Gelenkerkrankungen, bedingt überwiegend durch Entzündungen und Verschleißerscheinungen. Der Spieltrieb und die Bewegungsfreude nehmen ab, Treppen werden beschwerlich. Zum Glück läßt sich da einiges machen, was die Beweglichkeit deutlich verbessert. Früher wurden vergleichbare Beschwerden bei Katzen nicht wahrgenommen; inzwischen weiß man, daß deren Sprungkraft aus den gleichen Gründen beeinträchtigt wird. Auch für sie gibt es mittlerweile gut verträgliche Medikamente.
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