Das Wichtigste steht zwischen den Noten



Ist Peter Stangel auch ein Theatermensch? Er meint dazu: „Früher ja, heute nicht mehr so stark, weil ich natürlich seit vielen Jahren keine enge Verbindung mehr zum Theater habe durch die taschenphilharmonie: Wir spielen fast keine Opern. “

An modernen Operninszenierungen entzünden sich immer wieder Diskussionen und bisweilen beschleicht einem der Verdacht, daß es dem Regisseur nicht um die Umsetzung des Stoffes geht, sondern eher um seine eigene Selbstdarstellung. Peter Stangel merkt dazu an: „Davon bin ich fest überzeugt. Das liegt auch teilweise daran, daß wir inzwischen so weit sind, daß du eigentlich nur noch Regie führen darfst, wenn du ausgewiesen kein Opernfachmensch bist.“

Daß Peter Stangel nicht bei der klassischen Dirigentenlaufbahn geblieben ist, hatte u.a. den Grund: „Ich wurde damals (2004) 40 und was man erst mit der Zeit mitkriegt: 40 ist so eine Art Torschluß für Dirigenten. Diese müssen entweder jung sein oder ganz alt, weil dann könnten sie während der Aufführung sterben. Ein Dirigent zwischen 40 und 65 hat in Deutschland eigentlich keine Chance, eingeladen zu werden.“

Er beschloß, diese Mißlichkeit mit Einfallsreichtum zu überwinden: Noch früher, als Erster Kapellmeister in Heidelberg, hatte Peter Stangel ein eigentlich groß besetztes Musikstück, Mahlers 4. Sinfonie, in einer kleinen Besetzung gemacht: „Das klang toll und machte total Spaß. Ich habe mich gefragt: Wie würdest Du so ein Ensemble nennen? Und so habe ich mir damals „Taschenphilharmonie“ ausgedacht. Alle Leute sagten: 'Sofort schützen lassen!' Was ich auch machte.“

Nach einigen Jahren als assistant conductor in Amsterdam und Generalmusikdirektor in Nordhausen gab es keine offenen Stellen in der Kategorie, die Peter Stangel interessierte und so „sagte ich mir: Jetzt machst Du das einfach. Wo, wenn nicht in München? Und wann, wenn nicht jetzt?“

Die Anfänge der taschenphilharmonie waren bescheiden und begannen mit Aufführungen im Münchner Stadtmuseum. Aber der Künstler merkte, daß in dieser „seltsamen“ Besetzung zwischen Kammermusik und großem Orchester viel mehr möglich war, als anfangs gedacht.

Kehrt Peter Stangel mit der taschenphilharmonie zum Ursprung klassischer Musik zurück? Die großen Orchester mit 100 oder 120 Musikern, die wir heute kennen, sind ja eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Peter Stangel meint dazu: „Ein Stück weit stimmt es natürlich. Wenn wir Mozart oder Haydn mit sehr kleinen Besetzungen spielen, ist das ganz nah an der Wahrheit von damals. Die haben natürlich auch groß gespielt, aber eben auch klein, was halt da war - aber die Jupiter-Symphonie mit 20 ersten Geigen, wie heute – das wurde damals nicht gemacht. „
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