Buntes Leben - bunte Bilder

Die Entwicklung unseres Viertels zum Szeneviertel kommentiert er - pragmatisch: „Ich gehe davon aus, daß die angestammten Bewohner zum großen Teil tolerant sind und zum anderen schmerzgeprüft.“
Sein liebstes Hobby, die Malerei, mußte aus Zeitgründen während seiner Selbständigkeit, dann dem Ganztagsjob und seinem politischem Engagement zurückstehen. Zum Malen braucht man Ruhe und man braucht Ruhe, um überhaupt Lust zum Malen zu bekommen.

Körner malt seit seiner frühesten Jugend: „Kürzlich war ich im Keller und habe nach Aquarellpapier gesucht. Ich fand Bilder, die ich mit 20 gemalt hatte. Dazwischen habe ich einiges entweder übermalt oder verschenkt. Ganz am Anfang als Jugendlicher malte ich Bilder zum Verschenken für Tante, Oma, Freunde. Oder etwas ganz Schönes für die neue Geliebte. Dann kam in den 30ern eine Phase, in der ich für meine Wand malte: Ich hatte irgendein Poster und fand nichts Passendes dazu, also malte ich mir selber etwas. Ich bin mehr ein Do it yourself-Typ.“

Die nächste Malphase war eine des Zweifelns: „Was soll ich denn überhaupt malen? Was die alten Meister malten, das fotografiert man heute. Und fotorealistisch malen war noch nie mein Ding.“ Seit drei Jahren greift der Hobbykünstler Peter Körner wieder häufiger zu Pinsel und Farbe (Aquarell, ab und an kombiniert mit Buntstift oder Acryl) und verlegte sich auf das Genre des Abstrakten: „Ich habe jetzt einiges, was ich in Bilderausstellungen gesehen habe, auch im Kopf. Aber wenn man es umsetzen will, kann man sich daran anlehnen oder sich davon frei machen. Bei mir läuft es meistens so ab: irgendeine Stimmung. Dann fällt der Blick auf irgendeinen Gegenstand oder eine Szene beim Spazierengehen. Ich stelle ich mir etwas vor, gehe nach Hause und skizziere das. Die Farben und Formen kommen folgen später. Ich kann nicht ein Blatt Papier nehmen, Farbe und dann einfach pinseln, was mir gerade einfällt. Sondern das muß diszipliniert vor sich gehen, bis ich ungefähr weiß, wie es ausschauen soll. Wenn ich den Punkt überschritten habe, dann kommt es aus mir raus und dem lasse ich freien Lauf. Der Motor muß sozusagen erst mal anspringen. Am nächsten Tag, wenn ich von den Emotionsgeschichten weg bin und mir das bei Tageslicht anschaue, dann sage ich: Wegschmeißen oder okay, da kann ich weitermachen.“ ( zur Galerie)

Während des Malprozesses kann es durchaus vorkommen, daß ein ursprünglicher Plan während des Malens nicht mehr zu dem paßt, was Peter Körner sonst noch einfällt. Das sieht er pragmatisch, praktisch, künstlerisch: „Das sehe ich als die künstlerische Freiheit. Ich denke, daß es bei abstrakten Malern gang und gäbe ist: Der Betrachter stellt sich irgend etwas vor und weiß ja nicht, was sich der Maler vorgestellt hat. Er weiß auch nicht, ob der Künstler, als der das male, einen dicken, geschwollenen Zeh hatte, ihn alles drückte und er aus Schmerzverzückung dann unten rechts einen braunen Strich hinmalte. Davon versuche ich mich frei zu machen.„
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