Ein Eisbär watscht einen anderen - so beginnen Karrieren

Magere Models und Haut Couture sind ein komplexes Thema und beherbergt eine Crux: Auch Karl Kramer weiß aus eigener Erfahrung, daß Kleider, vor allem Abendgarderobe bei großen und dünnen Models einfach besser fallen als mit weiblichen Rundungen hinterlegt. So hat man sich in der Modebranche bei Shows und Fotos auf Größe 38 als Standard geeinigt und wer nicht reinpaßt, hat Pech gehabt. Aber Karl Kramer sieht zugleich auch das bisweilen Menschenverachtende in der Branche: „Diese schwulen Designer-Könige sind ganz geradlinig auf ihren Job bezogen und die Frauen sind ihnen meiner Meinung nach vollkommen egal. Sie wollen nur, daß ihre Produkte gut aussehen und darum haben sie sich immer die Dünnen ausgesucht, wenn auch nicht die ganz Mageren.“

Daß die Durchschnittsfrau bei Kleidergröße 42 liegt, wissen die Designer aber auch und ihre Kleider werden denn auch in dieser Größe gefertigt. Karl Kramer hat immer versucht, das Thema zu konterkarieren und bei Wäsche- und Badefotos meistens zwei Models für eine Fotostrecke genommen: „Damit ich auch ein Model habe, an dem ein bißchen mehr dran ist. Denn gerade bei Wäsche geht es immer auch um Erotik und den kleinen Kick. Da muß eine Frau dabei sein, die Rundungen hat.“


Sein jüngster Auftrag, nämlich die neue Kollektion der Modedesignerin Susanne Wiebe (mehr über Susanne Wiebe) in Honkong zu fotografieren, geht in genau die Richtung. Denn Susanne Wiebe (die in München die Promis einkleidet), arbeitet gegen den Spargeltrend in der Modeszene.

Apropos Rundungen: Karl Kramer hat vor kurzem auch eine Dirndl-Kollektion fotografiert. Also nix mit size zero und aufgepumpten Push-Ups, sondern mit richtig echten Frauen.

(Das Interview führte Karin Zick 2013; Fotos mit freundlicher Genehmigung von Karl Kramer)
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