Ein Eisbär watscht einen anderen - so beginnen Karrieren

Bei seiner Ausstellung hat Karl Kramer auch andere Erfahrungen gemacht: „Ich habe Leute fotografiert, die erst über den Umweg, daß andere Leute sagten ‚Ah, Du schaust so toll aus auf dem Foto!’ gemerkt haben, daß sie toll ausschauen. Manche wissen das gar nicht und manche lehnen ihr Äußeres auch ab. Auch aus der Erfahrung heraus, denn wenn creti und pleti immer einfach nur auf den Auslöser drückt und dann Dein bescheuertes Foto als gut ins Internet gestellt wird, ärgert man sich darüber.“

Sich auf einem Foto zu gefallen oder es für gut zu befinden, ist relativ einfach. Was aber macht die für Laien im Grunde „ganz normal“ aussehenden Fotos hochgejubelter Starfotografen so besonders? Zumal, wenn sie nicht original fotografiert daherkommen, sondern am Computer zusammengesetzt und nachbearbeitet. Karl Kramer meint dazu: „Andreas Gursky (mehr zu Andreas Gursky) hat ein gutes Geschäft daraus gemacht. Aber Kunst ist wieder etwas anderes; das ist in erster Linie ein Geschäft bei uns geworden und dann werden die Dinge nach solchen Kriterien ausgesucht und zusammengestellt. Ich will niemanden diskriminieren. Bis ich Stuart Stadler kennengelernt habe, fand ich Menschen die einzig interessanten Objekte. Durch Stuart habe ich die Kraft und Schönheit der Formen in Häusern zu schätzen gelernt."
Die Austellung in der Balanstrasse, in der sich Körper, Gesichter und Architektur abwechseln, zeigt dies deutlich.



Karl Kramer unternimmt aber dennoch seit zehn Jahren Ausflüge in die Architektur-Fotografie. Im Showroom des befreundeten Architekten Stuart Stadler ( mehr zu Stuart Stadler) zeigt er in der Balanstraße eine Ausstellung, in der sich Körper, Gesichter und Architektur abwechseln. Und es könnte gut sein, daß daraus ein Buch wird; ein Verleger zeigt bereits Interesse.

Gibt es für Karl Kramer in seiner fotografischen Arbeit ethische Grenzen, wo er sagt „Nein, das mache ich nicht!“ Beispielhaft sei das magersüchtige Model Isabelle Caro (mehr zu Isabelle Caro in "Die Welt") genannt, die kurz vor ihrem Tod 2010 von Oliviero Toscani (mehr zu Toscani in "Die Welt" und in der SZ) für ein Plakat gegen Magersucht fotografiert wurde. Oder andere höchst umstrittene Fotokampagnen von Toscani für Benetton? Karl Kramer sieht es so: „Toscani ist ein politischer Mensch, dem man meiner Meinung nach nichts Unethisches vorwerfen kann. Er hat schon immer versucht, Dinge in Gang zu bringen und die Leute mit der Nase drauf zu stoßen. Unethisch ist eher ein Herr Lagerfeld, weil er mit der Abmagerung kokettiert und das halte ich für ziemlich lächerlich. Es ist leider so, daß wir in Deutschland nur wenige großartige Designer haben, die international bekannt sind, also brauchen wir einen Promi wie Lagerfeld. Aber ich würde schon sagen, er ist grenzwertig. Vor allem in dieser – ich will nicht sagen – Unterstützung der Magersuchtsbewegung. Aber da halte ich viele dieser Designer für relativ dekadent.“
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