Ein Eisbär watscht einen anderen - so beginnen Karrieren


1978 ging Karl Kramer nach New York (er reiste seiner damaligen Freundin hinterher, die dort an die Uni ging) und bekam erste Kontakte zur Modelbranche samt erstem Job als Model. Was er eher pragmatisch sieht: „Das ist keine große Auszeichnung: Dir paßt irgendeine Klamotte, ziehst sie an und irgendeiner fotografiert dich. Das ist für einen Habenichts in New York natürlich eine gute Sache. Trotzdem war das Modeln für mich persönlich eine große Herausforderung. So einfach ist es nicht, sich vor die Kamera zu stellen und den großen Larry zu markieren, wenn Du Dich eigentlich unsicher fühlst.“. Er fand eine Agentur in Paris, die ihm unter anderem sein erstes Casting vermittelte: elf Uhr bei Kenzo. Mit einer Mischung aus Naivität und einer Unbekümmertheit, die wohl nur Greenhorns haben können, marschierte Kramer zu dem Termin: „Als ich ankam, warteten schon zig andere Models. Ich hatte keine Ahnung, wie ein Casting funktioniert und bin einfach durchgegangen zu Kenzos Büro. Ich dachte mir ‚Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber ich habe einen Termin’ – und ich wollte einfach pünktlich sein. Also klopfte ich, wurde reingelassen – und hatte den Job. Wenn ich damals gewußt hätte, daß bei Castings alle der Reihe nach drankommen, hätte ich mich das nie getraut, denn mir wäre klar gewesen: Die hätten mich Vordrängler verprügelt.“ Es darf davon ausgegangen werden, daß Karl Kramer bereits wieder auf der Straße war, als seine Mitbewerber erfuhren, daß der Job weg war…
Nebenbei fotografierte Karl Kramer weiterhin und offenbar so gut, daß sich sein Können herumsprach: „Dann ging es los mit den anderen Nachwuchs-Models - sie wollten Fotos und wen fragt man da? Fotografen wollen Geld, also fragte man halt ‚den anderen’ – mich - der schon ein paar Jahre dabei ist.“ Die Models hatten gute Fotos in ihrer Mappe und die Agenturen waren zufrieden. „Meine damalige Agentur hat zu der Zeit in Miami ein Büro eröffnet und mich mitgenommen – und ich habe die Models fotografiert. Dann ging es los und ich bekam die ersten Jobs.“
Der erste Job, eine Fotostrecke für den Otto-Versand, erwies sich als echte Herausforderung, denn „Ich hatte nicht das Konzept, nach Layouts zu fotografieren: vier Fotos auf einer Seite; das waren für mich böhmische Dörfer. Ich habe jedes Foto wie ein Starfoto geschossen. Ich habe nur Poster und Covers fotografiert.“

Es stand Lernbedarf an, und Karl Kramer nahm dies ernst. Im Botanikum in Feldmoching bei Heinrich Bunzel (mehr über Bunzel) kam er auf Umwegen an ein größeres Atelier und richtete sich ein Fotostudio ein, das zehn Jahre lang bestand: „Es war ein Tageslichtstudio und ich brauchte eine Weile, bis ich anfing, Fotos zu machen und mich mit diesem leeren weißen Raum, den ich gebaut habe, auseinanderzusetzen. Da habe ich viel über das Formen mit Licht gelernt.“ Das Botanikum in Feldmoching erwies sich außerdem als guter Ort, um Kontakte zu knüpfen und über diese kam Karl Kramer an Aufträge für Zeitschriften und eine Parfümeriekette mit Beautyfotos – der fotografische Ausgangspunkt; die Modefotografie folgte sehr bald danach über eine Münchner Agentur.
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