Ein Eisbär watscht einen anderen - so beginnen Karrieren

Der Start war für Karl Kramer kein einfacher: geboren und aufgewachsen in Nürnberg. Der Vater, ein amerikanischer GI, verabschiedete sich noch vor der Geburt des mit einem deutschen Fräulein fabrizierten Kindes namens Karl in die Heimat.
Die Mutter verstarb, als Karl Kramer fünf Jahre alt war und er wuchs bei der Großmutter auf. Zur Fotografie kam er schon früh, aber eher zufällig:
„Ich habe mich manchmal auf die Spielwarenmesse in Nürnberg mit meinem Bruder reingeschlichen. Beim zweiten Besuch habe ich an einem asiatischen Stand für fünf Mark eine Plastikkamera gekauft und bin gleich am nächsten Tag in den Tiergarten gegangen und habe herumgeknipst. Die Giraffen sind schrecklich geworden, die waren viel zu weit weg. Aber das Eisbärengelände war nahe genug. Und ich hatte das große Glück, daß der eine Eisbär dem anderen eine gewatscht hat - und ich habe das fotografiert. Mein erstes Foto war: ein Eisbär watscht einen anderen. Als ich den Film bekam, dachte ich, ich spinne: Da war ich natürlich sofort zum Fotografen geboren, ist ja klar – ich habe nur noch fotografiert. Ich habe immer gedacht: Jetzt passiert etwas! Ich habe meinen Bruder fotografiert, wie er Eier mit Hammer und Schraubenzieher aß. Und dieses Hobby habe ich immer beibehalten.“

Nach einer Lehre bei Grundig holte Karl Kramer auf dem zweiten Bildungsweg das große Latinum nach, denn sein Ziel war, Professor für deutsche Literatur zu werden. Er schrieb sich an der Uni Erlangen zu einem Studium der Theaterwissenschaften und Philosophie ein, wobei die akademische Karriere nicht nach Wunsch verlief, erzählt Karl Kramer: „Warum ich Philosophie studierte, weiß ich auch nicht. Und es war auch schnell vorbei, nachdem mir genau das vorgehalten wurde, was jetzt vielen Politikern vorgehalten wird: daß sie falsch zitieren. Ich hatte nämlich falsch zitiert. Ich mußte ein Referat über Plato schreiben und habe falsche Anführungszeichen gesetzt. Und das war diesem Professor so wichtig, daß er mir einen Fünfer gegeben hat. Ich fragte ihn: ‚Haben Sie denn gelesen, was ich geschrieben habe?’ Er antwortete, er lese das gar nicht, wenn die Anführungszeichen falsch seien. Darauf meinte ich, er solle doch selber studieren! Das war es dann mit meiner akademischen Laufbahn.“

Das Studium der Theaterwissenschaft dagegen war für Karl Kramer ein Gewinn: Er durfte Videofilme drehen und profitierte dabei von seinem Vorwissen aus der Lehrzeit bei Grundig. Die Affinität zum Technischen an der Fotografie war für Karl Kramer ein großer Vorteil, denn alle technischen Entwicklungen nahm er offen auf und experimentierte mit ihnen: der erste Mac anno 1984, Photoshop, digitale Fotografie.
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