Gerhard Acktun

Mit der Synchronarbeit hat Gerhard Acktun ebenfalls schon als Kind angefangen bei Serien wie "Lassie" oder "Lieber Onkel Bill" Mitte der 60er Jahre). Seit elf Jahren spricht er bei der Zeichentrickserie "Pokemon" die Mauzi, die böse, wilde Katze. Kam durch die Synchronarbeit die Idee mit einem eigenen Hörbuchverlag zustande?

Mit Hans-Joachim Kulenkampff in dem Stück "Es geht auch ohne Geld"

"2002 oder 2003 schrieb der Hörbuchverlag in München einen Wettbewerb aus: Man sollte selber etwas schreiben, anderthalb Seiten lang, 5 bis 6 Minuten und das selber aufnehmen und hinschicken. Dann wurde ein Wettbewerb in München abgehalten und die zehn besten machten dann eine Live-Lesung beim Hugendubel in der Fußgängerzone. Ich hatte zwei Hörspiele, die ich selber geschrieben habe, hingeschickt und war letztlich unter den besten zehn. Bei dieser Live-Lesung kam mir dann die Idee."
Und das Wichtigste: es machte Spaß. Während seiner Arbeit bei anderen Hörspielverlagen merkte Gerhard Acktun, daß deren Arbeit an Qualität und Liebe zur Sache wenig ausgeprägt war; es ging hauptsächlich um Schnelligkeit: "Ich dachte mir: Wenn ich so etwas selber mache, dann mit mehr Spaß dran und mehr Qualität. So ist das zustande gekommen."

2008 produzierte Gerhard Acktun in Zusammenarbeit mit Kollegen ein Kinderhörspiel, "Zwicki, der Wolpertinger". Kein Verlag fand sich bereit, es zu veröffentlichen, denn "'Jaa, wir haben alle selber unsere Sachen'. Dann dachte ich mir, ich mache selber einen Verlag auf. So bin ich dazugekommen." Das Hörspiel wurde in Bairisch aufgenommen, eine Herzensangelegenheit für Gerhard Acktun. Denn selbst der Bayerische Rundfunk als Heimatsender des Bayerischen, produziert aus Kostengründen nur mehr wenige Hörspiele. So bedauert nicht nur Gerhard Acktun, daß es auch im bayerischen Regionalfernsehen keine wirklich guten Serien mit bayerischem Lokalkolorit mehr gibt wie seinerzeit die "Münchner Gschichten" oder "Die Hausmeisterin". Dafür lieber billig produzierbare Quizshows.

Apropos: billig produziert. In einigen Folgen von "Sturm der Liebe" ist Gerhard Acktun als Staatsanwalt zu sehen: "Ja - gut (lacht). Das ist ein zweischneidiges Schwert. Viele schimpfen halt über diese daily soaps, weil die finden das nicht so toll. Aber mir hat es Spaß gemacht, ich war in 18 Folgen durchgehend dabei."
Stationen

1964 bis 2005 Theaterrollen

1969 bis 2008 Filmrollen u.a.:
1969: "Hotte" in "Unser Doktor ist der Beste"
1973 "Seppl" in "Räuber Hotzenplotz" mit Gert Fröbe
1982 "Streckmann" in "Das Boot"

1971 bis 2009 Fernsehrollen, u.a. im
Tatort, Derrick, Polizeiinspektion 1, Der Kommissar, Forsthaus Falkenau, SOKO 5113, Löwengrube, Der Bergdoktor, Rosenheim-Cops, Sturm der Liebe

2009 veröffentliche Gerhard Acktun in seinem Hörbuchverlag Alogino die "Viktualienmarkt Gschichten", ein Hörspiel mit Münchner Lokalkolorit über die Sorgen und Nöte der Standlleut: "Auf diese Idee bin ich durch eine Blumenhändlerin gekommen, die bei uns um die Ecke einen Blumenladen hat. Sie war selber 15 Jahre auf dem Viktualienmarkt und hatte dort einen Blumenstand. Sie hat mir Geschichten erzählt, was da alles abgelaufen ist. Und ich dachte mir: 'Mensch Meier, da könnte man doch ein Hörspiel machen!' Ich selber habe mit Blumen nicht so furchtbar viel am Hut, aber sie hat mir Tipps gegeben, und wenn ich etwas geschrieben habe, fragte ich sie: 'Du, Irene, gibt es diese Blumen zu dieser Jahreszeit eigentlich? Und was kosten die ungefähr?' Dann hat sie mir die Preise genannt. Oder solche Geschichten wie: Da gab es einen, der Blumen bei ihr kaufte, am nächsten Tag wiederkam und sagte: 'Ich möchte die Blumen umtauschen, die gefallen meiner Frau nicht.' Und dadurch, daß meine Eltern über 40 Jahre einen Stand auf der Auer Dult hatten und auf dem Oktoberfest, kenne ich die Standlmentalität ein bißchen und wie die Leute ticken. Das habe ich alles mit reingebracht."

Gerade arbeitet Gerhard Acktun an der Fortsetzung, die eine ironische Kriminalgeschichte werden wird. Mit zwei nicht unbedingt einsteinmäßigen Halunken, die nachts auf dem Viktualienmarkt Blumen klauen und das Diebesgut dann im eigenen Blumenladen verkaufen. "Die Resonanz auf den ersten Teil ist gut. Jeder, der das gehört hat, hat das Gefühl, er ist auf dem Viktualienmarkt. Die O-Töne habe ich direkt auf dem Viktualienmarkt aufgenommen und als Hintergrund verwendet."

Und dann gibt es noch "Hatschipuh" als Hörspiel. Diese Kinderserie gab es schon 1985 auf Kassette, von Ulli König (der auch den Pumuckl schrieb). Acktun und König kamen ins Gespräch und Ulli König fand es eine gute Idee, die Serie auf CD herauszubringen. Eine Folge ist bereits auf dem Markt, im Juli wird die zweite fertiggestellt sein. Und rechtzeitig zu Weihnachten wird eine Weihnachts-Hatschipuh-Geschichte zu haben sein: "Das sind alles noch die Original-Aufnahmen mit den damaligen Sprechern wie Fritz Strassner als Erzähler; Fred Stielkraut ist der Hatschipuh, und noch weitere bekannte, bayerische Sprecher."

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