Die Doktorin und das liebe Vieh


Oft berichten die Frauchen und Herrchen vom unglaublichen "7. Sinn" ihrer Lieblinge, die schon Stunden vor dem Aufbruch in die Praxis ahnen, dass ein Tierarztbesuch ansteht: "Viele sagen: 'Ich habe den Korb hingestellt und schon hat sich meine Katze verkrochen!'" Frau Dr. Danner hat eine realistische Erklärung: "Es ist meistens so, daß die Besitzer ihre eigene Anspannung den Tieren schon viel früher vermittelt haben und die Tiere deshalb ahnen, daß etwas Ungewohntes auf sie zukommt. Wir tragen dem Rechnung und verwöhnen unsere Patienten zur Begrüßung; Hunde dürfen an die Leckerli-Box, Katzen dürfen sich in der Armbeuge verstecken und kriegen ein paar Streicheleinheiten, Welpen dürfen erst einmal spielen... das entspannt alle, auch die großen Zweibeiner."

Frau Dr. Danner wird immer wieder um Hausbesuche gebeten. Sie meint dazu: "Das ist problemlos für Impfungen. Geht es um erstmalige Diagnosen bei erkrankten Tieren, rate ich eher ab. Zum einen fehlt das richtige Instrumentarium – angefangen vom Licht –, zum anderen verteidigen die Patienten oft ihr "Heimatrevier" und sind einer Untersuchung und Behandlung wesentlich weniger zugänglich. Entgegen den Vorstellungen der Besitzer ist die Situation für die Tiere dann erheblich belastender, als in der Praxis."

Ebenso wie in der Humanmedizin gibt es auch bei den Tieren neben dem schulmedizinischen Behandlungsansatz die Homöopathie oder die Anwendung pflanzlicher Mittel. Frau Dr. Danner steht alternativen Heilmethoden aufgeschlossen gegenüber: "Ich mache einiges homöopathisch und unterstütze damit gerne schulmedizinische Behandlungen. Daneben gibt es Fälle, bei denen man mit der Schulmedizin schlicht nicht weiterkommt. Zum Beispiel hilft oft bei Hautproblemen eine Eigenblutbehandlung, bei Warzen auf Schleimhäuten setzen wir erfolgreich pflanzliche Tinkturen ein." Die homöopathische Behandlung ist in der Regel zeitintensiver; die Tierhalter müssen geduldig sein, weil Erfolge Zeit brauchen.

Zeit ist oft ja auch Geld. Apropos Tierarztkosten: Die Honorare für Tierärzte werden nach der amtlichen Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) abgerechnet. Der Gesetzgeber schreibt darin Mindest- und Höchstsätze für alle tierärztlichen Leistungen vor, an die Tierärzte, von engen Ausnahmen abgesehen, gebunden sind. Seit ein paar Jahren gibt es auch einige Krankenversicherungen für Tiere. Die Erfahrungen von Frau Dr. Danner sind überwiegend positiv: "Bei der Abrechnung gibt es meist keine Probleme und auch die Tierbesitzer haben sich zum großen Teil bislang recht positiv geäußert. Ich rechne ganz normal mit dem Besitzer ab, gebe ihm eine Rechnung mit, die er dann bei der KV einreicht und die KV entscheidet, welchen Anteil sie bezahlt. Die Versicherungen sind aber in der Regel kündbar und die Versicherungen kündigen schon mal, wenn ihnen ein Tier "zu teuer" kommt." Interessierte Tierhalter können sich im Internet bei entsprechenden Foren austauschen.

Die Aufwendungen für den Tierarzt dürften sich bei Goldhamster & Co. in Grenzen halten. Bei Katzen- und Hundehaltern können Behandlungskosten durchaus ein Faktor sein, den man bei der Anschaffung putziger Kätzchen und Hundewelpen gerne ausblendet. Vielleicht auch aus diesem Grund gibt es Tierhalter, die selbst Hand anlegen nach dem Motto "Was mir gut tut, kann meinem Tier nicht schaden". Frau Dr. Danner warnt deshalb eindringlich: "Eigenbehandlung ist sehr mit Vorsicht zu genießen. Hunde und Katzen vertragen Medikamente oft nicht, die beim Menschen wirken und Medikamente, die Hunde vertragen, können für Katzen eine ernsthafte Gefahr sein und umgekehrt."
Die Verabreichung von humanmedizinischen Präparaten kann richtig gefährlich werden: "Zum Beispiel Paracetamol: Es ist für uns Menschen harmlos und man gibt es auch Kindern als Schmerzmittel. Deshalb meint man, es sei harmlos. Bei Katzen verursacht es aber schwere Vergiftungen. Oder Mittel mit ätherischen Ölen (Eukalyptus etc.): Katzen haben keine Enzyme, um sie abzubauen, sie können daran sterben."

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