Im Pony-Express zum Gerichtstermin


Mit dem zunehmenden Erfolg der Band wuchs auch der Streß: In seiner Hochzeit hatte der „Pony Express“ viele Auftritte im Ausland; fast jeden Dienstag spielte die Band in einem Lokal in Zürich: Anfahrt, aufbauen, spielen und in der Nacht wieder zurückfahren. „Du kommst um vier Uhr heim und um acht sollst Du wieder in die Kanzlei gehen.“ 1987 zog Kramm die Reißleine und verabschiedete sich vom „Pony Express.“ Aber ohne Musik ging es einfach nicht: „Ich machte dann aber sofort eine neue Band auf (Tumbleweed), die heute noch existiert. Da ist der Bürgermeister von Seefeld-Hechendorf mit dabei als Sologitarrist, ich normalerweise Schrubber und Sänger. Und mein alter Bassist, mit dem ich seit 1968 zusammenspiele, macht auch mit. Der Keyboarder ist noch dabei. Mittlerweile spielen wir sehr selten, vor allem bei Geburtstagen und besonderen Anlässen.“

1983 kam die erste LP des „Pony Express“ heraus, weitere folgten 1985 und 1987. Besonders begeistert ist Achim Kramm heute noch von dem Auftritt im Matthäser 1987:

„Wir hatten an dem Tag unsere dritte LP herausgebracht und ein riesen Interview beim Thomas Jeier (Bayern 3), bevor es abends mit dem Spielen losging. Abends war u.a. Western Union dabei, eine Rock'n-Roll-Band und zwei Countrybands. Da waren wir die Lokalmatadoren und sind sofort angekommen. Jedes zweite Mädel wollte dich auf einen Drink einladen. So stellt man sich das Paradies vor! Das Gefühl, daß man vor fast 2000 Leuten gut ankommt, war ein Highlight. Und am selben Tag kam auch die LP heraus und das Radio-Interview; den Mitschnitt habe ich heute noch.“
Eine Schallplatte selbst herauszubringen, wenn kein großes Label dahintersteht, war erstens kostspielig und zweitens arbeitsintensiv; die erste Schallplatte finanzierte die Band noch selbst. Heute kann man mit einem 8-Spur-Recorder zuhause eine CD machen, aber damals brauchte man ein Studio mit entsprechendem Equipment. Und man muß GEMA-Mitglied werden und die Songs mit Noten und Texten dort registrieren lassen. An die erste Schallplatte ging die Band noch ziemlich naiv heran, erinnert sich Kramm: „Wir hatten die Aufnahme endlich fertig und ein Spezi, der einen Musikverlag hatte, fragte: 'Habt ihr schon ein Label?' - Hää? 'Wenn ihr kein Label habt, könnt ihr das vergessen. Die Platte könnt ihr vielleicht verkaufen, wenn ihr irgendwo spielt, aber ihr bekommt sie nie in den Rundfunk. Der rechnet nicht mit Musikern ab, sondern nur mit Label!' Wir haben dann seinen Verlag genommen.“
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